Mit der allgemeinen Verfügbarkeit von Copilot Cowork führt Microsoft ein neues Abrechnungsmodell ein, das für viele Unternehmen erstmals eine echte Verbrauchskomponente in die Copilot-Lizenzierung bringt. Wer Cowork einsetzen will, sollte die Mechanik dahinter kennen, bevor die erste Rechnung überrascht.
Wichtig für Tenants mit Sitz in der EU – also auch für uns in Österreich: Cowork basiert im Kern auf Anthropic-Modellen. Anthropic ist als Subprocessor bei EU-Tenants aufgrund der EU Data Boundary standardmäßig deaktiviert und muss von einem Global Admin explizit freigeschaltet werden – ohne diesen Schritt lässt sich Cowork gar nicht erst nutzen. Details dazu weiter unten im Abschnitt Welche Modelle Cowork antreiben.
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Cowork ist seit 16. Juni 2026 weltweit verfügbar
Vor der allgemeinen Verfügbarkeit lief von 30. März bis 16. Juni 2026 das Frontier-Programm (Microsofts Vorschauprogramm für neue KI-Funktionen, nicht zu verwechseln mit der kürzlich angekündigten Microsoft Frontier Company), in dem ausgewählte Tenants Cowork vorab testen konnten. Für diese Frontier-Tenants galt eine Übergangsfrist: Wurde Usage-Based Billing nicht bis 1. Juli 2026 aktiviert, ging der Zugriff auf Cowork verloren. Die gute Nachricht: Dies ist natürlich kein endgültiger Verlust – sobald das Billing-Modell nachträglich eingerichtet wird, steht Cowork wieder vollständig zur Verfügung. Alle anderen Tenants starten von Beginn an im neuen Verbrauchsmodell.
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Was ein Copilot Credit kostet
Cowork ist kein eigenständiges Produkt, sondern setzt eine aktive Microsoft 365 Copilot-Lizenz pro Nutzer voraus – ohne sie funktioniert es nicht. Abgerechnet wird die eigentliche Nutzung zusätzlich über Copilot Credits, und zwar vollständig separat: Im Microsoft 365 Copilot-Abo selbst ist kein Guthaben enthalten. Eine Ausnahme bildet hier, wie später genauer beschrieben, die Copilot Studio Lizenz.
Im Pay-as-you-go-Modell kostet ein Copilot Credit 0,01 USD. Credits sind dabei keine Cowork-spezifische Einheit, sondern eine gemeinsame Währung: Sie gilt ebenso für Work IQ APIs, Copilot Studio, Dynamics 365 Agents und Power-Platform-Workloads und wird auf Tenant-Ebene gepoolt.
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Wie kommt man an diese Credits?
Microsoft bietet drei Kaufoptionen, die sich in Vorauszahlung, Flexibilität und Preis unterscheiden. Welche für Sie passt, hängt davon ab, wie planbar Ihr Verbrauch ist und ob Sie zusätzlich eigene Workflows oder Agents entwickeln wollen.
Pay-as-you-go
Die einfachste Option: Abgerechnet werden 0,01 USD pro tatsächlich verbrauchtem Credit, nachträglich am Monatsende, ohne Vorauszahlung oder Verpflichtung. Eingerichtet wird das im Power Platform Admin Center unter Licensing → Billing Plans, vorausgesetzt Sie verfügen über einen aktiven Azure Plan.
Pay-as-you-go eignet sich vor allem zum Einstieg, wenn der tatsächliche Verbrauch noch schwer einzuschätzen ist. Wer ohne Limits startet, riskiert allerdings Überraschungen am Monatsende – ein Spending Limit sollte deshalb von Anfang an Teil der Einrichtung sein.
Copilot Credit Pre-Purchase Plan (P3)
Die Option mit Mengenrabatt: Einmal pro Jahr wird ein bestimmtes Credit-Volumen im Voraus gekauft, mit einem Rabatt von 5 bis 20 Prozent je nach Menge. Die Mindestabnahme liegt bei 300.000 Credits pro Jahr. Der Plan zählt zur Microsoft Azure-Verbrauchsverpflichtung (MACC) – relevant für Kunden mit einer bestehenden Verpflichtung dieser Art – und verlängert sich automatisch.
Wichtig: Credits können über das ganze Jahr verteilt benutzt werden, verfallen aber am Jahresende.
Der Kauf erfolgt als Reservation im Azure Portal.
Die Staffelung im Überblick:
| Tier | Copilot Credits | Rabatt |
|---|---|---|
| 1 | 300.000 | 5 % |
| 2 | 1.500.000 | 6 % |
| 3 | 3.000.000 | 7 % |
| 4 | 15.000.000 | 8 % |
| 5 | 30.000.000 | 10 % |
| 6 | 75.000.000 | 12 % |
| 7 | 150.000.000 | 14 % |
| 8 | 225.000.000 | 17 % |
| 9 | 300.000.000 | 20 % |
Capacity Packs
Die monatlich abgerechnete Option: Ein Capacity Pack kostet rund 200 USD pro Tenant und Monat und enthält 25.000 Credits. Erhältlich über Partner – etwa über unseren Marketplace für CSP-Kunden – oder reservierbar im M365 Admin Center für EA-Kunden.
Zwei Punkte sind hier besonders wichtig:
- Wie zuvor bereits erwähnt bildet die Copilot-Studio-Lizenz hier eine Ausnahme. Jede im Tenant verbuchte Copilot-Studio-Lizenz bringt 25.000 Credits pro Monat mit sich. Bei der Buchung stehen drei Modelle zur Wahl: monatliche Abrechnung mit Monats-Commitment (M/M), monatliche Abrechnung mit Jahres-Commitment (M/Y), sowie Jahres-Commitment mit Vorauszahlung.
- Ungenutzte Credits verfallen am Monatsende und werden nicht übertragen. Wer in einem Monat nur 10.000 von 25.000 Credits verbraucht, verliert die restlichen 15.000 ersatzlos.
Der Preis pro Credit liegt beim Capacity Pack rechnerisch bei 0,008 – vorausgesetzt, das Kontingent wird tatsächlich vollständig ausgeschöpft. Das entspricht exakt dem höchsten Rabattsatz des Pre-Purchase Plans, den man dort erst ab einer Mindestabnahme von 300.000.000 Credits pro Jahr erreicht, für umgerechnet 2,4 Millionen USD jährlich. Der eigentliche Haken beim Capacity Pack liegt also nicht im Preis, sondern in der Auslastung: Da die 200 USD unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch anfallen, steigt der effektive Preis pro genutztem Credit, je weniger vom monatlichen Kontingent verbraucht wird. Der Break-even gegenüber Pay-as-you-go liegt bei rund 20.000 verbrauchten Credits pro Monat (80 % Auslastung) – wird weniger verbraucht, ist PAYG günstiger; wird mehr oder gleich viel verbraucht, ist der Capacity Pack die günstigere Option.
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Das Cost Management Dashboard
Eine einzige zentrale Stelle für allen nutzungsbasierten Verbrauch gibt es bei Microsoft nach wie vor nicht – Azure, Copilot-Lizenzen und KI-spezifische Abrechnung laufen weiterhin über unterschiedliche Dashboards. Mit der allgemeinen Verfügbarkeit von Cowork hat Microsoft das immerhin für Cowork und Work IQ APIs an einer Stelle gebündelt: Das Cost Management Dashboard im Microsoft 365 Admin Center (Admin Center → Billing → Cost Management) ist jetzt die zentrale Anlaufstelle für Usage-Based Billing. Zugriff benötigt entweder eine Global-Admin- oder eine Billing-Admin-Berechtigung.
Das Dashboard gliedert sich in drei Bereiche:
- Overview – Verbrauch, Restkapazität und Trends in Echtzeit.
- Consumption – Drill-down nach Nutzer, Gruppe, Service und Agent: Wer verbraucht wie viel, welche Cowork-Aufgaben sind am teuersten, welche Gruppen brauchen ein eigenes Limit.
- Configuration – Billing aktivieren, Spending Policies definieren, Limits setzen, Capacity verwalten.
Nicht im Cost Management Dashboard enthalten sind Security Copilot SCU (bleibt im Security-Dashboard), Azure OpenAI (Azure Cost Management) und Copilot Studio (Power Platform Admin Center). Für einen vollständigen Überblick über alle KI-Kosten sind also weiterhin mehrere Ansichten nötig.
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Wer managed nun Kosten, Usage und Konfiguration?
Microsoft verteilt die Aufgaben rund um Cost Management auf vier Rollen: Global Admin und Billing Admin können konfigurieren, Credits kaufen und den Verbrauch überwachen. AI Admin und License Admin können konfigurieren und überwachen, aber selbst keine Credits kaufen.
Diese Rollen sollten vor dem Cowork-Rollout sauber zugewiesen sein – sonst steht am ersten Tag mit aktiver Lizenz die Policy-Konfiguration an, und der zuständige Global Admin ist gerade nicht erreichbar.
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Wie sich der Verbrauch steuern lässt
- Hard Caps – werden diese erreicht, ist kein weiterer Verbrauch möglich.
- Budgets mit Warnschwellen – Alerts an Admins und vordefinierte weitere Empfänger bei definierten Schwellenwerten.
- Spending Policies pro Nutzer oder Gruppe – unterschiedliche Limits etwa für Marketing- und Sales-Teams.
- Kopplung an Azure Subscriptions – mehrere Subscriptions lassen sich separat als Billing-Quelle einrichten.
- Mischung aus Prepaid und PAYG – Capacity Packs und/oder der Pre-Purchase Plan werden zuerst aufgebraucht, PAYG springt danach automatisch als Fallback ein (vorausgesetzt, eine aktive Azure Subscription liegt vor).
Werden mehrere Policies auf denselben Nutzer angewendet, gewinnt laut Microsoft immer die zielgenaueste: Wer in einer breiten Gruppen-Policy auf 1.000 Credits gedeckelt ist, aber zusätzlich einer engeren Spezial-Policy mit 5.000 Credits zugeordnet wurde, erhält die 5.000.
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Der Microsoft Cowork Estimator
Bevor Sie sich für eine der Zahlungsmethoden entscheiden, lohnt sich eine grobe Einschätzung des zu erwartenden Verbrauchs. Microsoft stellt dafür hier einen Estimator bereit.
Das Ergebnis des Estimators ist eine Hochrechnung des monatlichen Credit-Verbrauchs – nicht centgenau, aber ausreichend, um sich für eine der Zahlungsmethoden zu entscheiden.
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Wie kommt der Creditverbrauch zustande?
Warum variiert der Creditverbrauch einer Cowork-Aufgabe so stark? Er setzt sich aus diesen Bereichen zusammen:
- Context – welche Daten Cowork einbezieht: Mails, Dateien, Termine, Personen und deren Beziehungen. Mehr Kontext bedeutet mehr Verbrauch.
- Models – welches KI-Modell zum Einsatz kommt. Anthropic Opus 4.8 ist teurer als Sonnet 4.6, das wiederum teurer sein wird als Microsofts eigenes Modell „Cowork 1″, sobald es verfügbar ist.
- Runtime – wie lange die Orchestrierung im Hintergrund läuft. Mehrstündige Tasks verbrauchen deutlich mehr Runtime-Credits als eine 30-Sekunden-Aufgabe.
- Tools – welche Aktionen tatsächlich ausgeführt werden. Jede Mail, jeder Termin, jede erstellte Datei kostet zusätzlich.
Die Summe dieser vier Bausteine ergibt den Credit-Preis einer einzelnen Aufgabe.
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Light, Medium, Heavy: Microsofts eigene Beispiele
Im offiziellen Credits Guide nennt Microsoft drei Beispiele – alle mit Anthropic Opus 4.8 als Modell gerechnet und ausdrücklich als grobe Planungswerte gekennzeichnet:
- Light (wöchentliches Status-Update aus dem Kalender erstellen): 70–200 Credits, etwa 0,70–2,00 USD pro Task.
- Medium (Briefing für ein Kundenmeeting inklusive CRM-Daten, relevanten Mails und Dateien): 400–600 Credits, etwa 4–6 USD.
- Heavy (sechs Monate Produktnutzungsdaten analysieren und einen führungsreifen Bericht erstellen): über 1.500 Credits, also mehr als 15 USD pro Task.
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Welche Modelle Cowork antreiben
Bei allgemeiner Verfügbarkeit stehen Anthropic Opus 4.8 und Sonnet 4.6 als Standardmodelle zur Verfügung, im Frontier-Programm zusätzlich GPT 5.5. Microsofts eigenes Modell „Cowork 1″ – laut Microsoft deutlich kostengünstiger – wird in den kommenden Wochen erwartet. Über einen Modell-Picker lässt sich pro Aufgabe wählen, welches Modell zum Einsatz kommt – einfache Aufgaben lassen sich so gezielt mit dem günstigeren Modell und entsprechend weniger Credits erledigen.
Für Unternehmen in der DACH-Region ist ein Punkt besonders relevant: Für Tenants mit Sitz in der Europäischen Union (EU) ist Anthropic als Subprocessor aufgrund der EU Data Boundary standardmäßig deaktiviert. Da Cowork im Kern auf Anthropic-Modellen basiert, muss ein Global Admin diese Option für den Tenant bewusst freischalten, bevor Cowork überhaupt nutzbar ist.
Das neue Modell markiert einen klaren Wechsel weg von der Flatrate hin zu einer Logik, in der jede Cowork-Aufgabe ihren eigenen, nachvollziehbaren Preis hat. Für Unternehmen, die Cowork ernsthaft einsetzen wollen, wird die Frage PAYG, P3 oder Capacity Pack damit zu einer wirtschaftlich relevanten Entscheidung.
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